Gut eine Woche ist jetzt vergangen, seit ich in Mexiko
angekommen bin. Zeit für einen ersten Zwischenbericht :-)
Cancún
Der Flug ist völlig reibungslos verlaufen und bis auf, dass
er mir eeeewig vorkam, gab es keine Probleme – selbst vegetarisches Essen war
genug an Bord, obwohl ich vergessen hatte, es vorzubestellen (bzw. zu spät
dafür angerufen habe. An alle, die mit AirBerlin fliegen: Sonderwünsche können
nur bis 48 Stunden vor Abflug entgegen
genommen werden!). Nach 11 endlosen Stunden, in denen ich mich auch auf nichts
so richtig konzentrieren konnte, war ich also da. Nach fast fünf Jahren hatte
ich zum ersten Mal wieder mexikanischen Boden unter den Füßen. Am Flughafen
traf ich gleich einen anderen Urlauber, einen Kubaner, der in Spanien lebt und
nun also zum Urlaub nach Mexiko kam. Wir haben uns auf der Busfahrt ein wenig
unterhalten und in der Stadt angekommen, zog ich zu meiner Unterkunft weiter,
dem Bed & Breakfast Garden.
Dort angekommen, ich hatte mir für die ersten zwei Nächte
ein Einzelzimmer gebucht, war ich dann erst einmal… Alleine. Die Erkenntnis
traf mich mit voller Wucht und ich habe den ersten Abend und den folgenden
Morgen heulend im Bett verbracht und mich gefragt, was ich hier eigentlich
gerade mache. Dann habe ich mich aber zusammen gerauft und bin tatsächlich
frühstücken gegangen – hätte ich das nicht getan, würde ich vermutlich heute
noch heulend in diesem Zimmer sitzen ;-) Beim Frühstück traf ich Terry from
| Terry from Texas |
Texas, ein lustiger alter Texaner, der zum ersten Mal seit 47 Jahren alleine im
Urlaub unterwegs war. Und da wir also nun beide alleine hier waren, beschlossen
wir, den Tag zusammen zu verbringen. Dann ist man auch nicht mehr so allein.
Wir gingen also im Park spazieren, hielten anschließend eine kleine Siesta in
der
Unterkunft, um danach auf den Markt weiterzuziehen und später noch an den
Strand zu fahren. Last but not least gingen wir abends schön gemütlich
mexikanisch Essen, und ich war froh, mich am Morgen aus dem Zimmer bewegt zu
haben.
Den Abend ließ ich im Hostel gemütlich ausklingen, mit
Abigail, der Besitzerin und zwei Freunden von ihr. Es war ein toller Abend mit
guten Gesprächen und ich fühlte mich richtig wohl und mich mit den Menschen und
der Sprache gleich wieder heimisch.
Am nächsten Tag (Montag, den 2.12.) war ich tatsächlich
sportlich und ging im Park eine Runde Joggen, war anschließend noch auf dem Markt
und habe mittags den Bus nach Valladolid genommen, um von dort aus weiter nach
Ek Balam zu fahren.
Ek Balam
Hier ist eine kurze Hintergrundstory nötig: Ursprünglich
wollte ich an besagtem Montag nach Holbox, einer kleinen Insel im Norden
Yucatáns, auf der es außer einem Dorf und Wald nicht wirklich viel anderes gibt
– dementsprechend gibt es vermutlich auch entsprechend wenig zu tun. Da ich mir
nach meinem Anfall von Einsamkeit und Selbstmitleid Besseres vorstellen konnte,
als die nächsten Tage alleine auf einer einsamen Insel zu verbringen und nichts
zu tun zu haben, beschloss ich, meine Reiseroute zu ändern, bzw. die
Reihenfolge zu tauschen – das habe ich übrigens bis heute schon gefühlte 50.000
Mal getan :) – in neun Tagen wohlgemerkt. Mit der Besitzerin des Genesis
Retreats in Ek Balam, Lee, hatte ich im Vorfeld schon gemailt und mit ihr
ausgemacht, dass ich ein bis zwei Wochen dort bleiben würde und für sie arbeite
und hierfür gratis Unterkunft und Verpflegung erhalte. Die Aussicht auf einen
halbwegs geregelten Tagesablauf, der mich beschäftigen würde, und mit Menschen
um mich herum, mit denen ich mich unterhalten könnte, fand ich recht
verlockend, und so machte ich mit Lee kurzerhand aus, schon montags nach Ek
Balam zu kommen. Gut gelaunt kam ich also im Retreat an, doch das änderte sich
schnell. Auf meine Frage „Do you have wifi here?“ antwortete Lee mit einem
gedehnten „Nooo, I’m sorry…“ – das saß. Nicht, dass es schlimm wäre, für ein
paar Tage mal ohne Internetzugang zu sein, aber ich war doch nach Ek Balam
gegangen, um gerade in dieser ersten Woche regelmäßig problemlos den Kontakt
nach Hause halten zu können, regelmäßig mit meinem und meinen Liebsten sprechen
zu können, und mich weniger einsam zu fühlen. Und hier saß ich nun, ohne
WLAN-Zugang, ohne Handyempfang, in einem 400-Seelen-Dörfchen abgeschnitten von
der Außenwelt, in einer Unterkunft mitten im Dschungel, in der keine
Chemikalien eingesetzt wurden, sodass es von Kakerlaken, Motten, Spinnen und
anderen kleinen Tierchen nur so wuselte.
Der aufmerksame Leser mag sich nun fragen: Wie konnte Lee
mir denn vorher E-Mails schreiben, wenn sie kein Internet hatte? Durchaus
berechtigt, diese Frage. Internet gab es schon, aber nur übers Handy, und von
diesem aus schrieb sie mir regelmäßig. Meine daraus abgeleitete
Schlussfolgerung, dass es dort natürlich auch WLAN geben würde, bewahrheitete
sich ja dummerweise nicht…
Wie alles im Leben aber für etwas gut ist, war es auch das.
Denn als ich an diesem Abend völlig fertig im Bett lag, kam mir eine
Erkenntnis. Vielleicht die bisher wichtigste meines Lebens. So oft ich es mir
auch vorgestellt hatte, auszuwandern, mich einfach irgendwo niederzulassen,
ganz natürlich und ohne großen technischen Schnickschnack – vielleicht genau
so, wie Lee es getan hat – so klar kam an diesem Abend auch die Antwort: Never
ever! Das ist nicht die Art von Leben, die ich mir wünsche, das ist nicht der Ort,
an dem ich leben wollen würde. Stattdessen wurde mir aber auch gleichzeitig
klar, wo ich denn eigentlich hin will, wo ich hin gehöre… nämlich nach Hause,
nach Köln. Home is where the Dom is. So einfach ist das. Mit diesem schönen
Gefühl von Gewissheit schlief ich ein, und wachte am nächsten Morgen auch
wieder damit auf. Und seit mir das bewusst geworden ist, kann ich die Tage hier
ganz anders leben und genießen.
Ich bin immer noch etwas skeptisch, weil das Ganze so schnell
ging – aber bis jetzt hat sich das Gefühl noch nicht wieder verflüchtigt. Und
das darf auch gern so bleiben.
| Ruinen von Ek Balam |
| Cenote bei Ek Balam |
In Ek Balam wollte ich also für eine Woche bleiben, bis
heute also – nun sitze ich heute aber in Tulum, und nicht in Ek Balam. Was ist
da passiert? Wie schon gesagt, war die Unterkunft nicht hundertprozentig das,
was ich mir vorgestellt hatte. Zu dem Ungeziefer – nicht schön, wenn man jeden
Abend erstmal vorsichtig jede Zimmerecke ausleuchtet, in der Hoffnung, nicht
wieder irgendwo Kakerlaken zu finden – kamen auch noch die Straßenhunde. Lee
ist ein total lieber Mensch, der es sehr gut mit allem meint. Deshalb rettet
sie auch Straßenhunde. Soweit, so gut. Aber gehören die während eines Retreats an
den Essenstisch? Ich glaube nicht. Hunde“duft“ lässt auch das Essen nicht
gerade besser schmecken… Nunja, ich machte eine Wanderung zu den Ruinen von Ek
Balam sowie der nahegelegenen Cenote, fuhr nach Valladolid und machte dort mit
zwei anderen Gästen des Genesis eine Tour durch eine Tequilaschenke (inklusive
Kostprobe natürlich!) und eine Schokoladenfabrik. Wir nahmen an einer geführten
Tour durch das Dorf teil, bei der wir lernten, wie man Tortillas macht und
Hängematten webt.
| Tortillateig zubereiten |
| Lee und Guadalupe, die Königin der Tortillas |
Valladolid
Ich habe mich verliebt in diese Stadt. Nach drei vollen
Tagen Einöde tat es so gut, wieder in der Zivilisation zu sein. Hinzu kommt, dass
das Hostel hier einfach wunderwunderschön war. Total nettes Personal, ein
Riesengarten, ganz süß und verwinkelt, mit Hängematten im hinteren Bereich und
einer Outdoor-Küche – Papa, du hättest hier deinen Spaß gehabt :)
Am Freitag machte ich nicht viel, blieb hauptsächlich im
Hostel und genoss die Zeit dort. Am Nachmittag machte ich mich auf zu einem
Restaurant, das wir schon am Tag davor besuchen wollten, das aber leider abends
geschlossen ist. Und es war lecker! So lecker, dass ich am nächsten Tag gleich
wieder hin bin. Samstag war mein Stadterkundungstag, und nach Kirche, Markt,
Cenote in der Stadt, und einem ehemaligen Konvent zog es mich also wieder ins
Yerbabuena, das Restaurant. Am Abend aß ich dann zusammen mit Andrea, einer
anderen Deutschen, und Gareth, einem englisch-walisischen Kanadier, im Hostel.
Ursprünglich war
Gestern haben Andrea und ich uns Räder geliehen und sind
damit zu zwei Cenotes gefahren, die ca. 6 km von der Stadt weg sind. Eine
Cenote ist übrigens eine unterirdische Süßwasserlagune, zu Zeiten der alten
Mayas die einzige Möglichkeit, auf ganz Yucatán an Wasser zu kommen, da es
keine Flüsse oder Seen hier auf der Halbinsel gibt. Es war eine schöne
Tagestour, und auf dem Rückweg sind wir in den letzten 200 Metern natürlich
noch pitschepatschenass geworden, weil es ganz plötzlich anfing zu regnen.
Heute Morgen wachte ich auf und war irgendwie völlig ratlos.
Ich wusste nicht, was ich mit dem Tag anstellen sollte. Ich hatte das Gefühl,
alles Sehenswerte in der Stadt schon gesehen zu haben und hatte auch keine
Lust, mir die fünfte Cenote innerhalb von einer Woche anzuschauen. Somit stellte
sich also die Frage: Was tun? Mahahual war mir eigentlich eh zu weit weg, um
nur für zwei, drei Tage dorthin zu fahren und so kaufte ich kurzentschlossen
schon für heute ein Busticket nach Tulum, was nur anderthalb Stunden Fahrt
bedeutete.
| Cosmo :-) |
Der einzige Wehmutstropfen, den die frühere Abreise mit sich
brachte, war, dass ich meinen neu gewonnenen kleinen vierbeinigen Freund Cosmo
zurücklassen musste. Vermutlich der süßeste Hund, den die Weltgeschichte jemals
gesehen hat. Ich bezweifle auch noch, dass er wirklich ein Hund ist, es könnte
sich auch um eine seltsame Kreuzung aus Katze, Fledermaus und Ratte handeln :-)
Kurzzeitig überlegte ich, ihn in meinen Rucksack zu packen, aber ich befürchte,
es wäre aufgefallen…
Tulum
Und so sitze ich nun also in Tulum, in einem netten Hostel,
an der Bar mit Musik. Es ist 21:45 Uhr und immer noch nicht zu kalt um im
T-Shirt draußen zu sitzen. Gerade ist große Aufregung angesagt, weil ein
Skorpion im Badezimmer ist. Mir alles relativ egal, solange das Krabbelviechs
mich in Ruhe lässt. Morgen geht es an den Strand, noch ein bisschen Sonne und
Farbe tanken, bevor es nächste Woche Mittwoch aufgeht in Richtung Guadalajara!