Dienstag, 10. Dezember 2013

Mexiko 2013 - Woche 1: Cancún - Ek Balam - Valladolid - Tulum

Gut eine Woche ist jetzt vergangen, seit ich in Mexiko angekommen bin. Zeit für einen ersten Zwischenbericht :-) 

Cancún
Der Flug ist völlig reibungslos verlaufen und bis auf, dass er mir eeeewig vorkam, gab es keine Probleme – selbst vegetarisches Essen war genug an Bord, obwohl ich vergessen hatte, es vorzubestellen (bzw. zu spät dafür angerufen habe. An alle, die mit AirBerlin fliegen: Sonderwünsche können nur bis  48 Stunden vor Abflug entgegen genommen werden!). Nach 11 endlosen Stunden, in denen ich mich auch auf nichts so richtig konzentrieren konnte, war ich also da. Nach fast fünf Jahren hatte ich zum ersten Mal wieder mexikanischen Boden unter den Füßen. Am Flughafen traf ich gleich einen anderen Urlauber, einen Kubaner, der in Spanien lebt und nun also zum Urlaub nach Mexiko kam. Wir haben uns auf der Busfahrt ein wenig unterhalten und in der Stadt angekommen, zog ich zu meiner Unterkunft weiter, dem Bed & Breakfast Garden.
Dort angekommen, ich hatte mir für die ersten zwei Nächte ein Einzelzimmer gebucht, war ich dann erst einmal… Alleine. Die Erkenntnis traf mich mit voller Wucht und ich habe den ersten Abend und den folgenden Morgen heulend im Bett verbracht und mich gefragt, was ich hier eigentlich gerade mache. Dann habe ich mich aber zusammen gerauft und bin tatsächlich frühstücken gegangen – hätte ich das nicht getan, würde ich vermutlich heute noch heulend in diesem Zimmer sitzen ;-) Beim Frühstück traf ich Terry from
Terry from Texas
Texas, ein lustiger alter Texaner, der zum ersten Mal seit 47 Jahren alleine im Urlaub unterwegs war. Und da wir also nun beide alleine hier waren, beschlossen wir, den Tag zusammen zu verbringen. Dann ist man auch nicht mehr so allein. Wir gingen also im Park spazieren, hielten anschließend eine kleine Siesta in der Unterkunft, um danach auf den Markt weiterzuziehen und später noch an den Strand zu fahren. Last but not least gingen wir abends schön gemütlich mexikanisch Essen, und ich war froh, mich am Morgen aus dem Zimmer bewegt zu haben. 

Den Abend ließ ich im Hostel gemütlich ausklingen, mit Abigail, der Besitzerin und zwei Freunden von ihr. Es war ein toller Abend mit guten Gesprächen und ich fühlte mich richtig wohl und mich mit den Menschen und der Sprache gleich wieder heimisch. 

Am nächsten Tag (Montag, den 2.12.) war ich tatsächlich sportlich und ging im Park eine Runde Joggen, war anschließend noch auf dem Markt und habe mittags den Bus nach Valladolid genommen, um von dort aus weiter nach Ek Balam zu fahren. 

Ek Balam 

Hier ist eine kurze Hintergrundstory nötig: Ursprünglich wollte ich an besagtem Montag nach Holbox, einer kleinen Insel im Norden Yucatáns, auf der es außer einem Dorf und Wald nicht wirklich viel anderes gibt – dementsprechend gibt es vermutlich auch entsprechend wenig zu tun. Da ich mir nach meinem Anfall von Einsamkeit und Selbstmitleid Besseres vorstellen konnte, als die nächsten Tage alleine auf einer einsamen Insel zu verbringen und nichts zu tun zu haben, beschloss ich, meine Reiseroute zu ändern, bzw. die Reihenfolge zu tauschen – das habe ich übrigens bis heute schon gefühlte 50.000 Mal getan :) – in neun Tagen wohlgemerkt. Mit der Besitzerin des Genesis Retreats in Ek Balam, Lee, hatte ich im Vorfeld schon gemailt und mit ihr ausgemacht, dass ich ein bis zwei Wochen dort bleiben würde und für sie arbeite und hierfür gratis Unterkunft und Verpflegung erhalte. Die Aussicht auf einen halbwegs geregelten Tagesablauf, der mich beschäftigen würde, und mit Menschen um mich herum, mit denen ich mich unterhalten könnte, fand ich recht verlockend, und so machte ich mit Lee kurzerhand aus, schon montags nach Ek Balam zu kommen. Gut gelaunt kam ich also im Retreat an, doch das änderte sich schnell. Auf meine Frage „Do you have wifi here?“ antwortete Lee mit einem gedehnten „Nooo, I’m sorry…“ – das saß. Nicht, dass es schlimm wäre, für ein paar Tage mal ohne Internetzugang zu sein, aber ich war doch nach Ek Balam gegangen, um gerade in dieser ersten Woche regelmäßig problemlos den Kontakt nach Hause halten zu können, regelmäßig mit meinem und meinen Liebsten sprechen zu können, und mich weniger einsam zu fühlen. Und hier saß ich nun, ohne WLAN-Zugang, ohne Handyempfang, in einem 400-Seelen-Dörfchen abgeschnitten von der Außenwelt, in einer Unterkunft mitten im Dschungel, in der keine Chemikalien eingesetzt wurden, sodass es von Kakerlaken, Motten, Spinnen und anderen kleinen Tierchen nur so wuselte. 

Der aufmerksame Leser mag sich nun fragen: Wie konnte Lee mir denn vorher E-Mails schreiben, wenn sie kein Internet hatte? Durchaus berechtigt, diese Frage. Internet gab es schon, aber nur übers Handy, und von diesem aus schrieb sie mir regelmäßig. Meine daraus abgeleitete Schlussfolgerung, dass es dort natürlich auch WLAN geben würde, bewahrheitete sich ja dummerweise nicht…

Wie alles im Leben aber für etwas gut ist, war es auch das. Denn als ich an diesem Abend völlig fertig im Bett lag, kam mir eine Erkenntnis. Vielleicht die bisher wichtigste meines Lebens. So oft ich es mir auch vorgestellt hatte, auszuwandern, mich einfach irgendwo niederzulassen, ganz natürlich und ohne großen technischen Schnickschnack – vielleicht genau so, wie Lee es getan hat – so klar kam an diesem Abend auch die Antwort: Never ever! Das ist nicht die Art von Leben, die ich mir wünsche, das ist nicht der Ort, an dem ich leben wollen würde. Stattdessen wurde mir aber auch gleichzeitig klar, wo ich denn eigentlich hin will, wo ich hin gehöre… nämlich nach Hause, nach Köln. Home is where the Dom is. So einfach ist das. Mit diesem schönen Gefühl von Gewissheit schlief ich ein, und wachte am nächsten Morgen auch wieder damit auf. Und seit mir das bewusst geworden ist, kann ich die Tage hier ganz anders leben und genießen.
Ich bin immer noch etwas skeptisch, weil das Ganze so schnell ging – aber bis jetzt hat sich das Gefühl noch nicht wieder verflüchtigt. Und das darf auch gern so bleiben. 

Ruinen von Ek Balam
Cenote bei Ek Balam
In Ek Balam wollte ich also für eine Woche bleiben, bis heute also – nun sitze ich heute aber in Tulum, und nicht in Ek Balam. Was ist da passiert? Wie schon gesagt, war die Unterkunft nicht hundertprozentig das, was ich mir vorgestellt hatte. Zu dem Ungeziefer – nicht schön, wenn man jeden Abend erstmal vorsichtig jede Zimmerecke ausleuchtet, in der Hoffnung, nicht wieder irgendwo Kakerlaken zu finden – kamen auch noch die Straßenhunde. Lee ist ein total lieber Mensch, der es sehr gut mit allem meint. Deshalb rettet sie auch Straßenhunde. Soweit, so gut. Aber gehören die während eines Retreats an den Essenstisch? Ich glaube nicht. Hunde“duft“ lässt auch das Essen nicht gerade besser schmecken… Nunja, ich machte eine Wanderung zu den Ruinen von Ek Balam sowie der nahegelegenen Cenote, fuhr nach Valladolid und machte dort mit zwei anderen Gästen des Genesis eine Tour durch eine Tequilaschenke (inklusive Kostprobe natürlich!) und eine Schokoladenfabrik. Wir nahmen an einer geführten Tour durch das Dorf teil, bei der wir lernten, wie man Tortillas macht und Hängematten webt.
Tortillateig zubereiten

Lee und Guadalupe, die Königin der Tortillas


Und damit war dann auch nach drei Tagen, am Donnerstag, alles erledigt, was man in einem kleinen Dorf in the middle of Nowhere so machen kann. Da ich irgendwie wenig Lust hatte, noch drei Nächte dort zu verbringen, fuhr ich kurzentschlossen mit Neha, einer Inderin aus New York, die auch seit Montag im Genesis gewesen war, am Freitagmorgen nach Valladolid. Und das war die beste Entscheidung überhaupt!

Valladolid

 Ich habe mich verliebt in diese Stadt. Nach drei vollen Tagen Einöde tat es so gut, wieder in der Zivilisation zu sein. Hinzu kommt, dass das Hostel hier einfach wunderwunderschön war. Total nettes Personal, ein Riesengarten, ganz süß und verwinkelt, mit Hängematten im hinteren Bereich und einer Outdoor-Küche – Papa, du hättest hier deinen Spaß gehabt :)

Am Freitag machte ich nicht viel, blieb hauptsächlich im Hostel und genoss die Zeit dort. Am Nachmittag machte ich mich auf zu einem Restaurant, das wir schon am Tag davor besuchen wollten, das aber leider abends geschlossen ist. Und es war lecker! So lecker, dass ich am nächsten Tag gleich wieder hin bin. Samstag war mein Stadterkundungstag, und nach Kirche, Markt, Cenote in der Stadt, und einem ehemaligen Konvent zog es mich also wieder ins Yerbabuena, das Restaurant. Am Abend aß ich dann zusammen mit Andrea, einer anderen Deutschen, und Gareth, einem englisch-walisischen Kanadier, im Hostel. Ursprünglich war
es mein (neuer) Plan gewesen, von Valladolid aus nach Holbox zu fahren – aber: Ich bin ja in Tulum. Also wieder einmal die Frage: Was ist da passiert? Andrea war schon auf Holbox gewesen und hat erzählt, dass es dort von Mücken nur so wimmelte. Und da ich jetzt schon total zerstochen bin (habe ca 35 Stiche gezählt – von Kopf bis Fuß…), habe ich wenig Lust auf noch mehr Viecher. Außerdem wollte ich ja so gerne noch nach Tulum, und Holbox ist von Valladolid aus in der entgegengesetzten Richtung. Gareth hingegen hatte geplant, von Valladolid gen Süden zu fahren, nach Mahahual, und ich beschloss, mich ihm anzuschließen. Mahahual ist allerdings ca. 6 Stunden mit Bus und Taxi oder sonst wie entfernt… Nunja, das ganze war geplant für morgen, Dienstag (10.12.)

Gestern haben Andrea und ich uns Räder geliehen und sind damit zu zwei Cenotes gefahren, die ca. 6 km von der Stadt weg sind. Eine Cenote ist übrigens eine unterirdische Süßwasserlagune, zu Zeiten der alten Mayas die einzige Möglichkeit, auf ganz Yucatán an Wasser zu kommen, da es keine Flüsse oder Seen hier auf der Halbinsel gibt. Es war eine schöne Tagestour, und auf dem Rückweg sind wir in den letzten 200 Metern natürlich noch pitschepatschenass geworden, weil es ganz plötzlich anfing zu regnen.
Heute Morgen wachte ich auf und war irgendwie völlig ratlos. Ich wusste nicht, was ich mit dem Tag anstellen sollte. Ich hatte das Gefühl, alles Sehenswerte in der Stadt schon gesehen zu haben und hatte auch keine Lust, mir die fünfte Cenote innerhalb von einer Woche anzuschauen. Somit stellte sich also die Frage: Was tun? Mahahual war mir eigentlich eh zu weit weg, um nur für zwei, drei Tage dorthin zu fahren und so kaufte ich kurzentschlossen schon für heute ein Busticket nach Tulum, was nur anderthalb Stunden Fahrt bedeutete.

Cosmo :-)
Der einzige Wehmutstropfen, den die frühere Abreise mit sich brachte, war, dass ich meinen neu gewonnenen kleinen vierbeinigen Freund Cosmo zurücklassen musste. Vermutlich der süßeste Hund, den die Weltgeschichte jemals gesehen hat. Ich bezweifle auch noch, dass er wirklich ein Hund ist, es könnte sich auch um eine seltsame Kreuzung aus Katze, Fledermaus und Ratte handeln :-) Kurzzeitig überlegte ich, ihn in meinen Rucksack zu packen, aber ich befürchte, es wäre aufgefallen…

Tulum

Und so sitze ich nun also in Tulum, in einem netten Hostel, an der Bar mit Musik. Es ist 21:45 Uhr und immer noch nicht zu kalt um im T-Shirt draußen zu sitzen. Gerade ist große Aufregung angesagt, weil ein Skorpion im Badezimmer ist. Mir alles relativ egal, solange das Krabbelviechs mich in Ruhe lässt. Morgen geht es an den Strand, noch ein bisschen Sonne und Farbe tanken, bevor es nächste Woche Mittwoch aufgeht in Richtung Guadalajara!

1 Kommentar:

  1. Liebe Britta, das ist ja schon ganz schön viel, was du in den paar Tagen erlebt hast! Was anderes hätte mich aber auch gewundert ;-)
    Ich freue mich für dich, dass du schon so viele Erkenntnisse gewinnen konntest und wünsche dir weiterhin eine erlebnisreiche und tolle Zeit!
    Viele Grüße aus deinem Köln-Mülheim ;-)
    Melanie

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